Lesetipps
Brief an ein christliches Land
Eine Abrechnung mit dem religiösen Fundamentalismus.
Autor: Dr. Sam Harris (Philosoph und Neurowissenschaftler)
Rezension von AHA Lëtzebuerg:
Wie in „Das Ende des Glaubens“ geht Sam Harris auch in seinem „Brief an ein christliches Land“ hart mit der Religion, dem Glauben, und „Gott“ ins Gericht. Durch seine relative Kürze (mit reichlich Würze!) ist es mit Sicherheit für den Einsteiger in das Thema lesbarer als „Das Ende des Glaubens“. Allerdings ist dieses Buch, in dem sich der Autor in der „Du“-Form an den Leser adressiert, vorrangig an die christlichen Amerikaner adressiert. Nichtsdestotrotz sind fast alle Themen auch auf die europäischen Christen, und vor allem auf die Katholiken, übertragbar. In diesem Sinn ist der „Brief an ein christliches Land“ auch für Luxemburger - Katholiken wie Atheisten – eine sehr wertvolle Lektüre.
Begeistern tun vor allem Themen wie die Sinnlosigkeit der Religion und des Glaubens, die Gefahren des Glaubens für den Weltfrieden und den Kampf zwischen Religion und Wissenschaft. Dem Thema „Stammzellenforschung“ widmet Harris etliche Seiten und zeigt auf, wie absurd und unmoralisch die aktuelle Position vieler Christen hierzu in der Tat ist. Auch die christlichen Missionare, die „Gutes tun für Gott“, werden thematisiert und entlarvt.
Zitate aus dem „Brief an ein christliches Land“:
„Unbestreitbar opfern sich viele Menschen hingebungsvoll auf, um das Leid anderer Menschen zu lindern. Doch muss man an etwas glauben, das letztlich völlig unbewiesen ist, um sich so zu verhalten? … Freiwillige Mitarbeiter solcher Hilfsorganisationen wie „Ärzte ohne Grenzen“ verschwenden keine Zeit darauf, den Menschen die jungfräuliche Geburt Jesu zu predigen oder Afrikanern südlich der Sahara – wo nahezu vier Millionen Menschen jährlich an Aids sterben – beizubringen, dass der Gebrauch von Kondomen Sünde sei.“
„Wir stehen vor einer einfachen Wahl: Wir können uns entweder nach Art des 21. Jahrhunderts über Moral und das menschliche Wohlergehen unterhalten und uns dabei sämtlicher wissenschaftlicher Erkenntnisse und philosophischer Argumente bedienen, die wir in den vergangenen zweitausend Jahren des menschlichen Diskurses angesammelt haben, oder wir beschränken uns auf ein Gespräch nach Art des 1. Jahrhunderts, wie es in der Bibel konserviert wurde. Warum sollte sich irgendwer für Letzteres entscheiden?“
„Wer im Jahr 1775 zuversichtlich behauptete, dass die Sklaverei in den Vereinigten Staaten ausgerottet werden könne, der muss ganz gewiss den Eindruck erweckt haben, dass er seine Zeit verschwendete, und zwar auf ziemlich gefährliche Weise. Die Analogie ist nicht perfekt, aber doch anregend. Wenn es uns jemals gelingen wird, unsere religiösen Irrungen und Wirrungen zu überwinden, dann werden wir mit Schrecken und Verwunderung auf diese Phase der Menschheitsgeschichte zurückblicken. Wie konnte es nur möglich sein, dass die Menschen im 21. Jahrhundert noch an derartige Dinge glaubten?“
„Die Vereinigten Staaten stehen mit ihrer Religiosität allein auf weiter Flur unter den reichen Demokratien; ebenso einzigartig sind sie, was das Ausmaß an Tötungsdelikten, Abtreibungen, Schwangerschaften unter Teenagern, sexuell übertragbaren Krankheiten und der Kindersterblichkeit betrifft.“
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Der Weihnachtsführer für Atheisten
Autorin: Ariane Sherine (Journalistin und Komikerin)
Rezension von AHA Lëtzebuerg:
Die etwas andere Geschenk-Idee für „Heiligabend“
Man muss weder an „Gott“ glauben noch einer Religion angehören, um „gut“ zu sein und sich positiv in der Gesellschaft zu engagieren. Eindrucksvoll zeigt dies die Journalistin Ariane Sherine mit ihrem Buch „There is probably no god. The atheist’s guide to Christmas“ (ISBN: 978-0-00-732261-9, Friday Books, 340 S.).
Sowohl Herausgeberin Sherine wie auch die Autoren der 42 Kurzbeiträge, allesamt bekannte und bekennende Atheisten, haben ihren Teil des Gewinns integral an eine Aids-Stiftung, das Terence Higgins Trust, gespendet.
Folgendermaßen könnte man den Inhalt des Buches zusammenfassen: 42 Autoren, 42 Beiträge, eingeteilt in sechs Kategorien: Geschichten, Wissenschaft, Wie kann man?, Philosophie, Kunst, und Events. Vor allem aber eine geballte Ladung englischer Humor, wie man ihn aus den Monty-Python-Filmen kennt, gespickt mit einigen durchaus ernsten Botschaften. Komikerin Catie Wilkins und Sänger Simon Le Bon (Duran Duran) erläutern z. B. auf witzige Art und Weise, wie sie ihren Glauben an „Gott“ verloren haben, den sie als Kinder ungewollt eingetrichtert bekommen hatten. So manche LuxemburgerInnen werden sich hier angesprochen fühlen.
In der Rubrik Wissenschaft kommt neben dem wohl bekanntesten Atheisten Richard Dawkins auch der Genetiker Adam Rutherford zu Wort, und erklärt, warum zwischen 93% und 97% der Wissenschaftler Atheisten sind. Er bringt u.a. die Evolution durch natürliche Selektion als Erklärung mit ins Spiel.
Siân Berry, 2008 grüne Kandidatin für den Bürgermeisterposten von London, spricht sich für ein grünes Weihnachten aus und ermutigt die Menschen nachzudenken bei der Auswahl ihrer Produkte. Auch für Weihnachtgegner bringt Journalist Andrew Mueller eine Lösung: am 24. Dezember spät abends in Europa in ein Flugzeug steigen, mit Zwischenstopp in einem unchristlichen Land zum Auftanken landen, und dann am 26. Dezember in Ostaustralien aussteigen. Ganz nach dem Motto: „If you can’t join it, beat it!“
In der Rubrik Events findet man u.a. amüsante Hintergrundinformationen von Designer Graham Nunn zur atheistischen Buscampagne, welche Ariane Sherine so bekannt gemacht hat, sowie zu einem nicht ganz ernst gemeinten Kartenspiel („God Trumps“) von Komikerin Christina Martin.
Und trotz allem Humor zieht sich eine ernsthafte Botschaft wie ein roter Faden durch die 42 Beiträge: Niemand hat das Monopol auf Weihnachten, und jeder nicht gläubige Mensch darf Weihnachten auf seine Art und Weise feiern! Ein frohes Fest des Winters mit seinen kurzen Tagen und langen Nächten, eine Zusammenkunft mit Familie oder Freunden, die man mit Geschenken erfreut, gute Musik, gutes Essen und Trinken, und allem was sonst noch dazu gehört! Bei alle dem steht nicht ein imaginärer „Gott“ im Mittelpunkt, sondern der real existierende Mensch.
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Die beleidigte Kirche oder: ...
... Wer stört den öffentlichen Frieden?
Autor: Dr. Karlheinz Deschner (Philosoph und Kirchenkritiker)
Rezension von AHA Lëtzebuerg:
Karlheinz Deschners 30 Seiten langes Gutachten im Bochumer Prozess (1985), zur Unterstützung des wegen Gotteslästerung angeklagten Studenten, ist nichts für schwache Nerven, angesichts der beschriebenen Greueltaten der katholischen Kirche. Der Student hatte bekanntlich die katholische Kirche als „größte Verbrecherorganisation aller Zeiten“ bezeichnet. Deschners Gutachten erbrachte für diese Bezeichnung die Beweise und führte zum Freispruch des Studenten.
Deschner gelang es in diesem Gutachten vor allem, aufzuzeigen, dass man für die Verbrechen der katholischen Kirche nicht ins Mittelalter zurückgehen muss. Karlheinz Deschner: „… bis in unser [20.] Jahrhundert hält die Kirche jeden Rekord an Folter- und Mordopfern. Das scheußlichste, gleichzeitig unbekannteste Kapitel der Kirchengeschichte ist jung: Katholische Schlachtfeste von einer Grauenhaftigkeit, die selbst den Protest hochrangiger Nazis hervorrief, kosteten – mit Billigung des Papstes und unter Führung hoher Geistlicher - im „Reich Gottes,“ Ustascha-Kroatien 1941-1943, eine dreiviertel Million orthodoxer Serben das Leben.“
Hinzu kommt die Rolle der katholischen Kirche in dem Verbot der Empfängnisverhütung und des Präservativs, vor allem in Ländern der 3. Welt: „Wobei noch gar nicht an weiteres erinnert sei, an die Sexualmoral zum Beispiel, besonders wieder der katholischen Kirche, etwa ihren unentwegten Kampf gegen die Geburtenbeschränkung und für das Gegenteil, für das faktisch kaum gehemmte Gebären von immer neuen Millionen und Abermillionen Katholiken, obwohl sie sicher weiß, daß immer neue Millionen und Abermillionen dieser Menschen verhungern werden.“
Diese 30 Seiten von Deschners Gutachten sollte jeder lesen. Die Entscheidung aus der katholischen Kirche auszutreten dürfte ihm danach nicht mehr schwer fallen.
Wer dieses Buch liest, der oder die wird wohl kaum länger Mitglied der katholischen Kirche sein wollen, unabhängig davon ob er oder sie an Gott glaubt oder nicht.
Das Ende des Glaubens
Religion, Terror und das Licht der Vernunft
Autor: Dr. Sam Harris (Philosoph und Neurowissenschaftler)
Rezension von AHA Lëtzebuerg:
Neben Richard Dawkins’ „Gotteswahn“ ist „Das Ende des Glaubens“ von Sam Harris wohl bis dato die furioseste Streitschrift wider die Religionen. Harris beleuchtet aber weniger die wissenschaftlichen Probleme mit dem Glauben, sonder vor allem die von Religion und Glauben ausgehenden praktischen Probleme und Gefahren für unsere Gesellschaft und die menschliche Zivilisation überhaupt. Geschrieben in einer eloquenten und leicht verständlichen Sprache ist es wohl das eine Buch, von dem man sich wünschen würde, jeder Politiker müsse es vor Antritt seines Amtes gründlich durchlesen.
Visiert sind vor allem die drei monotheistischen Religionen: das Judentum, das Christentum und der Islam. Harris sieht diese drei Religionen als die Basis für zahlreiche Kriege, für weltweiten Hass und Terror. Auch wenn viele Konflikte heute auch um Macht, Politik und Geld drehen, so stehen an der Basis immer wieder die religiösen Unterschiede der Streithähne.
Der katholischen Kirche und dem Vatikan wird in Harris’ Buch besondere Aufmerksamkeit geschenkt. So prangert der Autor unter anderem an, dass der Vatikan die Verbrechen der Nazis im zweiten Weltkrieg nie offiziell verurteilt hat. Daneben sei es eine wohlbekannte Tatsache, dass Vertreter des Vatikans SS-Mitgliedern wie Adolf Eichmann, Martin Bohrmann, Heinrich Müller, Franz Stangl und Hunderten anderen dabei halfen, sich in der Nachkriegszeit nach Südamerika und in den Nahen Osten abzusetzen. In diesem Zusammenhang werde oft daran erinnert, dass es im Vatikan auch Leute gab die Juden halfen. Dies stimme, so Harris. Hinzufügen müsse man jedoch auch, dass der Vatikan seine Hilfsbereitschaft oft davon abhängig machte, ob die betreffenden Juden sich zuvor hatten taufen lassen.
Auch die von der katholischen Kirche in der Vergangenheit begangenen zahlreichen Verbrechen (z.B. Inquisition) werden von Harris beschrieben. Sam Harris:„Die Frage, wie die Kirche es fertig brachte, Jesu Kernbotschaft von der Nächstenlieben und dem Hinhalten der anderen Wange in eine Doktrin des Mordens und Raubens umzuwandeln, erscheint uns wie ein grausames Geheimnis; es ist jedoch ganz und gar kein Geheimnis. Abgesehen von der Heterogenität und völligen Widersprüchlichkeit der Bibel, die sich zur Rechtfertigung der unterschiedlichsten und unvereinbarsten Anliegen heranziehen lässt, liegt die Schuld eindeutig bei der Glaubenslehre selbst.“
Harris beleuchtet eindrucksvoll die Gefahren für den Weltfrieden, die von religiös eingestellten Menschen im Hinblick auf die immer einfacher werdende Verfügbarkeit von Massenvernichtungswaffen ausgehen können. Sam Harris: „Es ist an der Zeit zu erkennen, dass alle vernunftbegabten Menschen einen gemeinsamen Feind haben. Dieser Feind ist uns so nahe, und er ist derart trügerisch, dass wir ihm selbst dann noch trauen, wenn er droht, jegliche Aussicht auf menschliches Glück zu zerstören. Dieser Feind ist kein geringerer als der Glaube selbst.“
Interessant ist auch der Ansatz des Autors, zwischen Religion und Spiritualität zu unterscheiden. Zwischen Vernunft und Glaube bestände eindeutig ein Widerspruch, nicht aber zwischen Vernunft und Liebe, zwischen Vernunft und Spiritualität. Außerdem könne man sein Leben nach guten Werten leben, ohne dabei auf Glauben zurückzugreifen. Sam Harris: „Wir müssen uns nicht an Mythen klammern, um in die Tiefen unseres Daseins vordringen zu können. Wir brauchen keinen personifizierten Gott zu verehren, um Ehrfurcht zu empfinden angesichts der Schönheit und Unermesslichkeit des Kosmos. Wir brauchen uns mit keinen Stammesmythen zu beladen, um eines schönen Tages zu bemerken, dass wir, in der Tat, unseren Nächsten lieben, dass unser Glück vom Glück unseres Nächsten nicht zu trennen ist.“
Ein sehr lesenswertes Buch!
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Der Gotteswahn
Autor: Professor Richard Dawkins (Evolutionsbiologe)
Rezension von AHA Lëtzebuerg:
„Ich bin ein Gegner der Religion. Sie lehrt uns, damit zufrieden zu sein, dass wir die Welt nicht verstehen“. Dieses Zitat des Autors auf dem Deckel seines Buches gibt den Ton an für dessen Inhalt. In „Der Gotteswahn“ untersucht Prof. Dawkins u.a. die Argumente für und gegen die Existenz Gottes. Obwohl letztere weder zu beweisen noch zu widerlegen ist, so kommt der Autor zu der Schlussfolgerung, dass die Argumente für eine Existenz Gottes so schwach sind, und die gegen eine Existenz Gottes so stark, dass man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen kann dass es keinen Gott gibt. In einem weiteren Kapitel erläutert Prof. Dawkins auf überzeugende Art und Weise, dass Moral (das Gute im Mensch) auf evolutionsbiologische und gesellschaftliche Ursachen zurückzuführen ist, und nicht auf Religion, so dass Religion und Glaube auch in dieser Hinsicht unnötig sind. Mehr noch, so Prof. Dawkins weiter, die Selbstverständlichkeit, mit der die Gesellschaft Religion akzeptiert, führe dazu, dass Religion Fundamentalismus, Gewalt und Terror schüren kann. Abschließend wird sehr kritisch diskutiert, dass immer noch Kinder aller Religionen von klein auf dazu manipuliert werden, in die religiösen Fußstapfen ihrer Eltern zu treten.
In „Der Gotteswahn“ will Prof. Dawkins vor allem drei wichtige Mitteilungen machen. Erstens, dass Atheisten (=Menschen, die nicht an Gott glauben), glückliche, gute und intellektuell erfüllte Menschen sein können, die sich für ihre Einstellung nicht zu schämen brauchen, sondern darauf stolz sein sollten. Zweitens, dass die mit wissenschaftlichen Beweisen und Argumenten untermauerte Evolutionstheorie von Charles Darwin und die natürliche Selektion eine weitaus sinnvollere Erklärung für die Entstehung der komplexen biologischen Vielfalt unserer Welt (inklusiv Mensch) darstellen als die Hypothese der Existenz Gottes als „allmächtiger Schöpfer“. Drittens, dass man Kinder so erziehen sollte, dass diese eigenständig denken lernen und nicht etwas glauben, nur weil es andere glauben, sondern dies kritisch hinterfragen.
Abschließend sei zu sagen, dass „Der Gotteswahn“ sowohl für Gläubige wie auch für Nicht-Gläubige eine äußerst interessante und wichtige Lektüre darstellt. Dass gerade eine Koryphäe wie Richard Dawkins sich dieses Themas angenommen hat, erhöht natürlich den Wert des Buches. Trotz aller Schärfe ist „Der Gotteswahn“ mit sehr viel Humor durchzogen, und wegen seiner einfachen Sprache für jedermann/frau zugänglich.
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